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„Lasst uns zusammen Farbe bekennen“

13.02.2026

 Foto: Ulf Duda

Im Januar übernahm Daniel Pleines bei den EWE Baskets Oldenburg die kaufmännische und operative Leitung. Der 40-jährige leidenschaftliche Basketballfan arbeitet bereits seit 2011 beim Club aus der easyCredit Basketball Bundesliga. Im Interview spricht er über die ersten Schritte bei seiner neuen Aufgabe, seine Erwartungen an die laufende Saison und die Pläne für die Zukunft.

Daniel, du bist seit Kurzem als Prokurist für die kaufmännische und operative Leitung der EWE Baskets Oldenburg verantwortlich. Dein Büro musstest du nicht wechseln, schließlich arbeitest du bereits seit sehr vielen Jahren im Club. Wie verliefen die ersten Tage in deiner neuen Position?

Das war eine sehr intensive Anfangsphase, aber gleichzeitig eine sehr positive. An Schlaf ist bis jetzt noch nicht im gebotenen Umfang zu denken, aber das ist kein Problem. Meine Motivation ist sehr groß, dazu kommt das unglaublich positive Feedback von den Mitarbeitern, den vielen Clubpartnern und nicht zuletzt von den Fans. All das sorgt für viel Energie, daher ist Müdigkeit aktuell ein Fremdwort. Mein Vorteil ist, dass ich den Club sehr gut kenne und dank meiner Einblicke in die vielen einzelnen Bereiche sehr genau weiß, wo ich ansetzen muss. Ich habe einen oder zwei Tage benötigt, um mir ein Programm für die ersten 100 Tage zusammenzustellen, und bin mit den anderen direkt in die Umsetzung eingestiegen. Ich habe mit allen aus dem Office einzeln gesprochen, um alle mitzunehmen. Außerdem haben wir das erste Mal einen Teamworkshop mit dem gesamten Office veranstaltet. Parallel führe ich nach und nach Gespräche mit allen großen Sponsoren und Partnern. Du siehst: Es ist viel los, aber es macht großen Spaß, da alle mitziehen und ich den Eindruck habe, dass wir gemeinsam sehr viel bewegen können.

Lass uns kurz zurückschauen. Wie bist du zum Basketball gekommen und was fasziniert dich an diesem Sport am meisten?

Im Jahr 2001 nahm mich damals mein bester Freund mit zu einem Spiel in der Halle am Haarenesch, da war ich sofort infiziert. Es dauerte dann nicht mehr lange, bis auch ich eine Dauerkarte hatte. Außerdem gab es über Ralph Held, meinen damaligen Lehrer im Basketballkurs am Gymnasium Eversten, ein besonderes Erlebnis. Der hatte mir die Möglichkeit gegeben, eine Trainingseinheit unter Predrag Krunic zu erleben – das war natürlich etwas ganz Besonderes. So wurde ich zu einem echten Fan, als Mitarbeiter bin ich über ein Praktikum nach dem Studium 2011 zum Club gekommen. Diese Verbindung aus Zahlen und Sport, mit der ich hier konfrontiert bin, passt sehr gut zu meinen damaligen Leistungskursen: Da hatte ich Mathe und Sport, eine spezielle Kombination. (lacht) Später folgten dann das BWL-Studium mit den Hauptfächern Finanzen/Controlling und Marketing/Organisation sowie ein Zweitstudium in Sportmanagement. Grundsätzlich habe ich ein riesiges Interesse an vielen Sportarten, Tennis habe ich 15 Jahre am intensivsten gespielt. Basketball leider erst nach der Schulzeit. Und zum zweiten Teil deiner Frage: Am meisten fasziniert mich die schnelle und attraktive Spielweise, dazu kommt noch das Familiäre und der Umstand, dass die Stimmung fast durchweg positiv ist und im Mittelpunkt die Unterstützung des eigenen Teams steht.  

Du kennst den Club mittlerweile seit anderthalb Jahrzehnten wie kaum ein Zweiter. Was macht ihn besonders, auch mit Blick auf das Team hinter dem Team?

Die EWE Baskets sind immer auf sehr gesunde Art und von innen heraus gewachsen, ohne etwaige Vorgaben von außen. Entscheidend sind dafür in meinen Augen die Menschen hier im Club, die tagtäglich alles geben. Und natürlich auch die vielen Partner, die uns immer bestmöglich unterstützen; sei es am Spieltag, aber auch weit darüber hinaus. Die Leidenschaft am Basketball und die starke Identifikation mit dem Club sind die entscheidenden Faktoren. Das gilt auch und gerade für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir jetzt beisammenhaben und von denen viele zum Teil schon sehr lange für die EWE Baskets tätig sind. Im Grunde ist es kein normaler Job, sondern eine Passion. Das spürt man jeden Tag, und es ist etwas ganz Besonderes, ein Teil dieser Basketballfamilie zu sein.

Wie würdest du kurz und knapp den Kern deiner neuen Aufgaben im Club zusammenfassen?

Im Kern ist es die strategische Steuerung aller Teams abseits des Sportlichen. Ich bin es gewohnt, unterschiedliche Gruppen zu führen und die vielen verschiedenen Themen als Team weiterzuentwickeln. Neu ist nun, dass ich für alle Bereiche verantwortlich bin und die Ausrichtung des Clubs insgesamt mitverantworte. Das Thema Führung ist für mich sehr wichtig, und es liegt mir am Herzen, das gemeinsam und mit großer Nähe zu den anderen anzugehen. Wir benötigen an der einen oder anderen Stelle noch ein wenig mehr Struktur, wollen die Kommunikation stärken und zusammen klare Ziele und Prioritäten definieren und verteilen. Ich möchte in meiner neuen Position für alle ansprechbar sein – sei es für die Menschen im Club, die Sponsoren oder die Fans. Natürlich gibt es jetzt auch eine große Verantwortung in den Bereichen Budget und Lizenzierung. Und was auch nicht zu kurz kommen darf: die Umsetzung und Weiterentwicklung der Clubstrategie in Zusammenarbeit mit den Gesellschaftern.

Bitte definiere einmal exemplarisch kurz-, mittel- und langfristige Ziele, die du gemeinsam mit den Gesellschaftern und den anderen Kollegen angehen möchtest, wenngleich einiges ja schon angesprochen wurde.

Zu den kurzfristigen Zielen gehört neben den bereits erwähnten auf jeden Fall noch der Wunsch, nach den turbulenten ersten Saisonmonaten nun noch mehr Ruhe hineinzubekommen – da sind wir aber ja seit einigen Wochen auf einem guten Weg. Sportlich wollen wir aus der Saison das Bestmögliche herausholen. Und natürlich wollen wir den Fokus auch auf den Nachwuchs legen, der in JBBL, NBBL und ProB sehr gut dasteht. Mittelfristig geht es darum, die wirtschaftliche Basis zu schaffen, um die Voraussetzungen für eine dauerhafte Playoffteilnahme zu verbessern. Wir wollen die Menschen und die Unternehmen mitnehmen und dabei stets sichtbar und relevant bleiben. Die wirtschaftliche Basis ist entscheidend: Wir müssen das Ziel haben, unseren Etat in den nächsten Jahren auf 10 Millionen Euro zu steigern. Was mir außerdem sehr wichtig ist, ist die weiterhin kontinuierliche Arbeit an einer klaren Identität und einer gelebten Clubkultur. Das alles fußt auf der Vier-Säulen-Strategie. Zentrale Elemente, die wir auch für die langfristige Perspektive im Blick behalten, sind hierbei die Nachwuchsarbeit, der Campus als Leuchtturmprojekt im Nordwesten, ein erfolgreiches Bundesligateam mit hoffentlich rasch wieder regelmäßigen Auftritten in Europa und natürlich auch der Ausbau der vielen sozialen Projekte. Wir haben einiges vor. (lacht)

Die easyCredit BBL entwickelt sich seit Jahren positiv, viele unserer Konkurrenten haben sportlich und wirtschaftlich kontinuierlich aufgeholt. Worin liegen vor diesem Hintergrund die besonderen Herausforderungen?

Das alles ist auch vor dem Hintergrund der kontinuierlich angestiegenen Regularien und Anforderungen der BBL geschehen, und es ist tatsächlich so, dass andere Clubs ordentlich zugelegt haben. Und diese Clubs holen nicht nur sportlich auf, sondern auch strukturell. Wir haben den Vorteil, dass wir schon länger sehr gut aufgestellt sind – aber die anderen lassen natürlich nicht locker. Die Suche nach Spielern hat sich verkompliziert, andernorts kann zuweilen mehr gezahlt werden, daher gibt es ein großes Gerangel um die guten Akteure. Wir haben dann das Thema College, dort gehen viele talentierte junge Spieler hin. Das macht den Bereich der kontinuierlichen Identifikation schwerer, zudem sind wir in Deutschland mit einer schwierigen wirtschaftlichen Lage und vor Ort mit begrenzten Kapazitäten konfrontiert. Aber, und das ist ganz wichtig: Man muss auch immer das Positive sehen! Unser Fundament ist sehr gefestigt, und wir werden in der Lage sein, trotz der erwähnten schwierigen äußeren Einflüsse Wachstum und Weiterentwicklung realisieren zu können. Wir dürfen stolz festhalten: Die EWE Baskets hatten nie zuvor so viele Hauptsponsoren, wir haben den höchsten Etat der Club-Historie, es gibt eine sehr lange Dauerkarten-Warteliste, es existiert ein hohes Maß an Know-how im Club und nicht zuletzt gibt es unseren Campus. Das alles sorgt dafür, dass wir sehr positiv in die Zukunft blicken können. 

Die große EWE ARENA ist seit über 50 Spielen durchgehend ausverkauft. Man könnte auf die Idee kommen, sich diesbezüglich zurückzulehnen und zu sagen: läuft doch!

Ich wurde bei einer Ligasitzung zuletzt auch auf dieses Thema angesprochen, da hieß es beispielsweise: Wie macht ihr das bloß? Selbst in sportlich turbulenten Zeiten waren wir durchgehend ausverkauft, das ist natürlich ein großartiger Erfolg. Aber das passiert natürlich nicht von selbst, das ist das Ergebnis eines Prozesses und vor allem einer großen Menge an Arbeit. Die wird in allen Bereichen geleistet, nennen muss ich aber in diesem Zusammenhang insbesondere Marketing und Kommunikation. Es finden große Anstrengungen statt, fannah zu sein und durch viele Aktionen Präsenz zu zeigen und Bindung zu erzeugen. Auch die vielen sozialen Projekte helfen uns dabei, neue Fans und Talente zu gewinnen. Und so blicken wir auf eine in der Liga beispiellose Auslastung von 100 Prozent. Ausruhen dürfen wir uns darauf aber keinesfalls, daher werden wir am Ball bleiben und weiter Flagge zeigen. Der Fansupport und vor allem die Arbeit und Unterstützung vom Fanclub TSO, das muss ich noch einmal betonen, sind in Oldenburg wirklich großartig.

2009 wurden wir Deutscher Meister, 2015 Pokalsieger. In gut zwei Wochen spielen wir beim BMW TOP FOUR in München nach 2023 erneut um den Pokalsieg. Was erwartest du von dem Wochenende sportlich? Ist es nicht Zeit für einen dritten Titel?

(lacht) Einen Pokalsieg würde ich natürlich sofort nehmen! 2015 habe ich den Titel als Mitarbeiter erlebt und natürlich wünscht man sich, dass es eine Wiederholung gibt. Das wird alles andere als einfach, schließlich ist das TOP FOUR mit Berlin, München, Bamberg und uns sehr stark besetzt. Aber: Ich sehe durchaus Chancen, denn unser Team hat alles, was es braucht, um solche Spiele zu gewinnen – und das hat es ja auch schon bewiesen. Der Fokus liegt jetzt auf dem Halbfinale, ein Erfolg dort wäre schon eine große Sache für uns. Bayern ist in eigener Halle und dank des sehr hohen Etats und seiner herausragenden Mannschaft der Topfavorit. So oder so freue ich mich auf ein tolles Event mit vielen unserer Fans und Partner vor Ort.

Sportlich haben wir den verpatzten Saisonstart inzwischen fast vergessen gemacht, sieben der vergangenen acht Spiele wurden gewonnen. Was erwartest du dir vom weiteren Verlauf dieser Spielzeit?

Zunächst einmal gilt es hervorzuheben, dass man sich im Rückblick praktisch bedanken muss, dass Srdjan damals Lazar im Blick hatte und ihn nach Oldenburg geholt hat. Und dass zudem die Gesellschafter den Mut hatten, ihm in dieser wirklich schwierigen Situation die Verantwortung für die Mannschaft zu übertragen. Und dann gebührt Lazar selbst natürlich ein riesiges Lob dafür, wie er es geschafft hat, das Team in solch kurzer Zeit wachzurütteln und anders auftreten zu lassen. Das konnte ja im Grunde niemand so rasch erwarten. Jetzt passen Spielweise und Auftreten wieder zu der Marke EWE Baskets – echt, engagiert und energiegeladen. Das macht die Sache richtig rund. Wir wollen weiterhin seriös von Spiel zu Spiel schauen, aber man spürt, dass etwas Neues entsteht – nicht nur in der Mannschaft, sondern auch im Umfeld. Alle verspüren wieder ehrliche Lust, die Spiele zu schauen und das Team zu unterstützen. Die Liga ist wirklich sehr eng, aber mit unserer Heimstärke und dem Umstand, dass wir uns mit dieser Mannschaft auch auswärts nicht zu verstecken brauchen, dürfen wir positiv in den Endspurt der regulären Saison gehen. 

Du musst in deinem Geschäftsbereich auch mit nüchternen Fakten und Zahlen arbeiten, bist aber gleichzeitig in einem hochemotionalen sportlichen Umfeld zu Hause. Mit welchen Gefühlen verfolgst du die Spiele der EWE Baskets?

(lacht) Diese Frage gefällt mir sehr. Es ist ja so: Ich bin bei den Spielen Fan durch und durch – egal ob als Dauerkarteninhaber, Praktikant wie einst oder jetzt Teil der Clubführung. Ich bin immer noch aufgeregt, angespannt und fiebere mit, und ich möchte immer, dass wir gewinnen. Es ist auf alle Fälle gut, dass ich meinen angestammten Platz auf der Tribüne einnehmen kann; da kann ich mich entsprechend emotional verhalten. Das funktioniert besser, als wenn ich zu nah ans Team rücke. Außerdem habe ich von dort auch einen besseren Überblick. Also: Die Spiele bleiben für mich immer etwas Besonderes.

Zu guter Letzt: Was bedeutet für dich #OLinGELB?

Für mich persönlich ist das doppelt besonders, denn Gelb war schon von Kindheit an meine Lieblingsfarbe – allein schon wegen meiner beiden Herzensclubs. Gelb steht hier in Oldenburg für Gemeinschaft, Zusammenhalt und ein Wirgefühl. Ich werde nie die Spiele vergessen, bei denen wir es geschafft haben, dass wirklich nahezu alle in Gelb dort waren. Team und Fans entwickeln dann eine noch bessere Symbiose. Daher: Lasst uns zusammen Farbe bekennen!

Die Fragen stellte Torben Rosenbohm