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Spasic im Interview: Basketball ist Lebenseinstellung

01.02.2026

 Bild: Ulf Duda

Im ersten Teil des Interviews haben wir mit Lazar Spasic über die sportliche Entwicklung bei den EWE Baskets gesprochen, im zweiten Part sprechen wir mit dem Headcoach über den Werdegang und seine Entwicklung als Coach.

Lass uns darüber sprechen, wie du die Liebe zu diesem Sport gefunden hast: Wie hast du als Junge aus dem kleinen Ort Zaječar den Basketball gefunden?

Eigentlich ist es unglaublich, dass ich zum Basketball gekommen bin. Ich komme aus dem Osten Serbiens, einem großen Teil des Landes, in dem es keinen Basketballclub auf hohem Niveau gibt. Mein Vater hat Basketball geliebt, aber nicht den Weg auf das höchste Level gefunden. Also hat er mir geholfen. Ich hatte in verschiedenen Sportarten Talent, bin zum Basketballtraining gegangen und war sofort begeistert von dem Sport.

Was bedeutet es dir, dass du aus einer kleinen Stadt den Weg in einer der großen europäischen Ligen gefunden hast?

In meinem Kopf habe ich nur einen Trainer aus unserer Region, der auf Top-Level arbeitet, und das ist Svetislav Pešić. Er kommt aus Pirot, ungefähr 150 Kilometer von Zaječar entfernt. Es gibt in diesem großen Landstrich keinen anderen Coach, der als Vorbild dienen könnte. Ich denke, dass es den Menschen aus meiner Heimat, vielen meiner Freunde, die mich intensiv verfolgen, viel bedeutet, dass ich einen erfolgreichen Weg gehe. Ich bin stolz darauf, denn wie ich sagte, haben wir dort keinen Sport auf höchstem Niveau. Eigentlich kann ich mich nur an Frauenhandball erinnern, wo es eine Meisterschaft gab, und ich glaube, das Team spielte auch gegen die Oldenburger Handballdamen.

Für dich hat es in dem Fall wahrscheinlich zur Folge gehabt, dass du für Basketball in eine andere Stadt ziehen musstest?!

Zunächst ging es in eine Stadt in der Nähe zum Training, der größere Schritt ging nach Belgrad, wo ich für FMP Belgrad gespielt habe. In der U18 war ich im erweiterten Kader der Juniorennationalmannschaft und im Jahr zuvor, als Spieler des jüngeren Jahrgangs, im erweiterten Kader der Mannschaft, die für FMP das Nachwuchsturnier der EuroLeague gewann.

Die erste Enttäuschung und Zäsur war, dass ich vor der U18-EM aus dem erweiterten Kader gestrichen wurde. Ich hatte eine tolle Saison gespielt und das Gefühl, eigentlich den Spot zu verdienen. Am Ende geschieht alles aus einem Grund.

Wann und warum fiel die Entscheidung, früh die Trainerlaufbahn einzuschlagen?

Die grundsätzliche Situation in Serbien war nicht einfach, und deshalb habe ich mir früh Gedanken über meine Pläne für die Zukunft gemacht. Ich war keiner der Spieler, der Athletiktraining geliebt hat, und mein Körper war nicht für das höchste Level gemacht. Das habe ich verstanden und mir gedacht, dass es zwei Optionen gibt, um Headcoach zu werden: Ich hätte die Karriere als Spieler verfolgen und im Anschluss auf eine Abkürzung ins Trainergeschäft setzen können. Stattdessen habe ich mich dafür entschieden, sehr jung als Trainer zu beginnen und es von Grund auf zu lernen. Am Anfang war es eine einsame Entscheidung, die außer meinen Eltern niemand unterstützt hat. Für meine Eltern war es nur wichtig, dass ich glücklich bin und einen Beruf habe, den ich liebe. Für mich ist Basketball eine Lebenseinstellung, 24/7 in meinem Kopf, es ist kein Job. Ich sitze hier mit einem Lächeln, und ich freue mich jeden Tag, dass ich als Coach arbeiten darf!

Wie ging es nach deiner Entscheidung weiter?

Ich traf damals einen Scout von Beo Basket, der mir geholfen hat, für mich noch einmal zu bestätigen, dass ich kein Journalist oder Scout werden will, sondern das Ziel Trainer verfolgen muss. Er hat mir geholfen, Assistant Coach bei Mladost Zemun zu werden, wo wir den Titel in der zweiten Liga gewannen. Ich wurde später mit 24 Jahren der jüngste Headcoach in Serbien in der ersten Liga.

Die prägendste Zeit folgte in Leskovac. Zunächst hatten wir keine guten Resultate, und ich habe dreimal meinen Rücktritt angeboten. Beim dritten Mal hat mir der Präsident stattdessen eine Vertragsverlängerung gegeben, weil er von meiner Arbeit überzeugt war. In der zweiten Saison wurde von uns der sechste oder siebte Platz erwartet, und wir gewannen den Titel. Ich glaube, dass ich der jüngste Coach bin, dem das in der ersten oder zweiten Liga gelang.

Nach meiner Zeit in Leskovac hatte ich erkannt, dass ich mich in bestimmten Bereichen entwickeln musste, habe mich um Themen wie Kommunikation und Psychologie gekümmert, um Körpersprache besser zu verstehen und einen besseren Zugang zu unterschiedlichen Spielertypen zu finden. Das hat mir geholfen, ein besserer Coach zu werden.

Zuletzt führte mich mein Weg nach Vršac, einem Club mit großer Historie, der in den Jahren zuvor Probleme hatte. In der ersten Saison haben wir den vierten Platz in der ersten serbischen Liga erreicht und danach trotz eines reduzierten Budgets mit 25 Siegen aus 30 Spielen den ersten Platz belegt. Dazu haben wir die erste Playoff-Runde für uns entschieden. Im Sommer folgte der Schritt nach Oldenburg.

Welche Trainer haben dich besonders beeinflusst?

Nach meiner Zeit bei Mladost Zemun erhielt ich einen Anruf von Igor Kokoškov, der mich zur slowenischen Nationalmannschaft einlud. Die 13 Tage haben mir die Augen dafür geöffnet, was Arbeit auf dem höchsten Niveau bedeutet. Im Anschluss hat Igor mir auch geholfen, in den USA bei NBA-Teams zu lernen.

Ich habe auch sechs Wochen mit Dejan Milojević verbracht, der später Assistant Coach bei den Golden State Warriors wurde und leider im Alter von nur 46 Jahren gestorben ist. Dejan war zu dem Zeitpunkt Headcoach bei Mega Bemax, und ich habe sehr viel von ihm gelernt. Beide Trainer haben einen großen Einfluss darauf, wie ich Basketball sehe, und das gilt besonders für die Defensive!