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Interview mit Milenko Bogicevic: „Es ist eine große Ehre“

22.05.2026

 Foto: Christoph Worsch

Milenko Bogicevic ist neuer Trainer der EWE Baskets Oldenburg. Der 49-Jährige hat einen Vertrag bis 2028 unterschrieben und war in der laufenden Saison seit Februar beim SYNTAINICS MBC tätig. Im Interview spricht er über die Anfänge seiner Trainerlaufbahn, seine Basketball-Philosophie und über seine Rolle als Assistenztrainer in der serbischen Nationalmannschaft.

Milenko, willkommen an Bord der EWE Baskets. Beschreib bitte kurz, wie du dich selbst als Trainer charakterisieren würdest.

Ich würde mich in erster Linie als einen energiegeladenen Coach beschreiben. Energie ist etwas, das ich immer in mein Team hineintragen möchte; und ich setze darauf, dass sich diese Energie auch in unserer Spielweise widerspiegelt – mit Intensität, Charakter und Kampfgeist. Ich bin ein direkter und ehrlicher Mensch. Für mich sind eine gute Kommunikation und eine starke Beziehung zu den Spielern essenziell. Gegenseitiger Respekt, Ehrlichkeit und Vertrauen bilden die Grundlage für ein erfolgreiches Team. Teamchemie ist für mich von enormer Bedeutung. Meine Philosophie basiert auf Team-Basketball. Ich möchte nicht, dass ein Team nur von ein oder zwei Spielern abhängig ist. Zusammenhalt soll auf dem Feld sichtbar sein – durch Ballbewegung, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, dass jederzeit ein anderer Spieler Verantwortung übernehmen kann. Auch wenn wichtige Spieler fehlen, muss das Team als Einheit funktionieren. Deshalb lege ich großen Wert auf die Chemie: Spieler sollen füreinander spielen, aufeinander achten und immer den Extra-Pass suchen. Für mich steht das System vor der Individualität. Gleichzeitig gebe ich den Spielern bewusst Freiheiten, Entscheidungen zu treffen und ihre Individualität zu zeigen – aber immer innerhalb des Teamgefüges. Ich mag aggressiven Basketball auf beiden Seiten des Feldes. Offensiv möchte ich, dass wir mit klaren Ideen spielen, gute Entscheidungen treffen, den Ball teilen und mit Tempo durch Drive-and-Kick-Basketball agieren. Defensiv erwarte ich Härte, Physis und aggressiven Druck. Aus einer starken Verteidigung heraus wollen wir leichte Punkte, schnelle Transition-Situationen und offene Würfe kreieren. Ich glaube, dass Teams sich besonders wohlfühlen, wenn sie starke Defensive mit schnellem Basketball verbinden. Jetzt habe ich vermutlich einiges vorweggenommen (lacht).

Kein Problem! Du bist in sehr jungen Jahren bereits Trainer geworden. Wie stand es um deine eigenen Ambitionen, Basketballprofi auf dem Spielfeld zu werden?

Ich habe meine Trainerkarriere tatsächlich sehr früh begonnen. Damals spielte ich noch für den Verein, in dem ich aufgewachsen bin – zunächst im Jugendbereich und später in der zweiten Liga. Außerdem war ich Kapitän meines Teams. In dieser Phase ergab sich die Möglichkeit, eine Gruppe junger Spieler zu trainieren. Mein damaliger Trainer sah offenbar etwas in mir und erkannte, dass ich ein natürliches Gespür für diese Aufgabe haben könnte. Wichtig war für mich, dass ich meine Trainerlaufbahn begann, während ich gleichzeitig noch in der zweiten und dritten Liga spielte. Diese Zeit half mir, mich sowohl als Spieler als auch als Trainer weiterzuentwickeln. Schon früh wurde mir klar, dass Coaching wahrscheinlich meine Zukunft sein würde. Ich erkannte, dass dies meine große Leidenschaft ist. Als ich schließlich mit dem aktiven Spielen aufhörte, hatte ich deshalb keine Zweifel oder Reue. Rückblickend war es die richtige Entscheidung. Der Start mit jungen Spielern half mir dabei, die Grundlagen von Entwicklung, Vermittlung und Kommunikation zu lernen. Diese Erfahrungen waren später auf professioneller Ebene äußerst wertvoll. Ich denke, auch Profispieler erkennen, wenn ein Coach einen starken Entwicklungs- und Ausbildungsansatz mitbringt. Für mich war diese frühe Phase enorm wichtig.

Du hast sehr viele Jahre als Assistent an der Seite von Sasa Obradovic gearbeitet. Wie gestaltete sich diese Zusammenarbeit? Was zeichnet ihn aus?

Sasa war ohne Zweifel eine der wichtigsten Personen in meiner Trainerkarriere. Wir haben 12 oder 13 Jahre zusammengearbeitet, und ich verdanke ihm sehr viel. Ich habe viele wertvolle Dinge von ihm gelernt – vor allem, was es wirklich bedeutet, professionell zu arbeiten und das eigene Wissen sowie die eigene Weiterentwicklung ständig voranzutreiben. Er war jemand, der immer mehr wollte und sich kontinuierlich verbessern wollte. Diese Mentalität hat mich stark geprägt. Mit der Zeit wurde unsere Beziehung mehr als nur beruflich. Wir haben eine enge Verbindung aufgebaut und wurden fast zu Familienfreunden. Das bedeutet mir sehr viel. Ich verdanke ihm wirklich viel, und ich glaube, dass ein bedeutender Teil meines Erfolgs als Headcoach mit dem zusammenhängt, was ich von ihm gelernt habe.

In dieser Saison bist du in die Bundesliga zurückgekommen. Wie hat sich der Basketball in der Liga entwickelt, seitdem du das erste Mal in Berlin als Trainer aktiv warst?

Die Rückkehr nach Deutschland war definitiv eines meiner Ziele. Ich habe das gesamte Umfeld der Bundesliga immer sehr geschätzt – nicht nur das spielerische Niveau, sondern auch die Infrastruktur, die Organisation und die professionelle Atmosphäre rund um die Liga. Ich freue mich sehr, wieder zurück zu sein. Natürlich hat sich Basketball in allen Ligen weiterentwickelt, auch seit meiner vorherigen Zeit in Deutschland. Was ich jedoch weiterhin sehr deutlich sehe: Die Liga hat ihre Identität behalten – Physis, Aggressivität und starke Präsenz auf dem Feld. Das sind nach wie vor wichtige Merkmale. Gleichzeitig haben Einflüsse von Trainern wie Aíto García Reneses und Tuomas Iisalo dazu beigetragen, dass das Spiel schneller geworden ist – mit mehr Tempo und mehr Transition-Basketball. Offensiv ist die Liga dynamischer geworden und verfügt über viele starke Schützen. Die durchschnittliche Punktzahl ist gestiegen, was das Spiel attraktiv und spannend macht. Trotzdem hat die Bundesliga ihre physische Identität bewahrt. Teams verteidigen weiterhin aggressiv, es gibt viel Körperkontakt – genau diese Balance aus Tempo und Härte macht die Liga so stark.

Was hat für dich den Ausschlag gegeben, das Angebot der EWE Baskets anzunehmen?

Es ist eine große Ehre für jeden Trainer, Teil eines Vereins wie Oldenburg zu werden. Dieser Club steht für Tradition, Geschichte und eine sehr professionelle Struktur. Für mich persönlich brauchte es nicht viel Überlegungszeit. Als der erste Kontakt entstand und wir ins Gespräch kamen, war ich emotional und ehrlich gesagt auch etwas überrascht. Ich kenne die Geschichte des Clubs, seine Erfolge und das, wofür er steht. Genau das machte diese Chance für mich besonders. Es ist eine große Möglichkeit, und ich fühle mich wirklich geehrt, Teil dieser Organisation und dieses Teams zu sein. Es gibt viele Dinge – innerhalb und außerhalb des Clubs –, die sehr schnell deutlich machen, warum Trainer gerne hier arbeiten möchten. Oldenburg ist ein Verein mit klaren Werten, Ambitionen und einem starken Umfeld.

Welche Faktoren sind für dich die wesentlichen, wenn du darüber nachdenkst, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Saison zu schaffen?

Beim Aufbau eines Teams gibt es viele wichtige Faktoren, aber für mich steht, wo zu Beginn erläutert, eines im Mittelpunkt: die richtige Chemie. Wir müssen ein Team formen, das zu unseren Zielen, unserer Mentalität und zur Identität des Clubs passt. Dort beginnt alles. Ich möchte Spieler holen, die die Bedeutung dieses Vereins verstehen und die Energie des Trainerstabs, der Organisation und vor allem der Fans mittragen. Es ist wichtig, dass Spieler bereit sind, dieses Leben innerhalb des Clubs voll anzunehmen und zu verstehen, was es bedeutet, diesen Verein zu repräsentieren. Talent und Qualität sind immer wichtig. Aber darüber hinaus suche ich Spieler, die hoch motiviert, leidenschaftlich und bereit sind, Teil von etwas Größerem zu sein. Der Schlüssel liegt darin, Spieler zu verpflichten, die dieselbe Leidenschaft, denselben Ehrgeiz und denselben Willen mitbringen, für unser Team zu kämpfen.

Woraus achtest du in sportlicher Hinsicht am meisten, wenn es um die Verpflichtung neuer Spieler geht?

Für mich hängt diese Frage eng mit der vorherigen zusammen. Natürlich ist es wichtig, Spieler mit hoher Qualität zu finden. Aber über reine Fähigkeiten hinaus ist für mich der Charakter die oberste Priorität. Ich suche Spieler mit Kampfgeist, starkem Charakter und mentaler Stärke. Wir haben ambitionierte Ziele, und in einer starken sowie sehr ausgeglichenen Liga wird eine Saison immer herausfordernd sein. Deshalb ist mein erstes Ziel, ein Team mit der richtigen Mentalität und einem starken Charakter aufzubauen. Danach geht es darum, die passende Balance in Bezug auf spielerische Qualität zu finden und sicherzustellen, dass sich die Spieler gegenseitig ergänzen. Also: Für mich ist das Wichtigste, Spieler zu holen, die mental stark, wettbewerbsorientiert und bereit sind, für das Team zu kämpfen.

Welche Vorstellungen hast du von dem Basketball, für den die EWE Baskets Oldenburg in der kommenden Saison stehen sollen, auch wenn du eingangs schon einiges dazu skizziert hast.

Wie ich bereits gesagt habe, möchte ich schnellen Basketball spielen – aber strukturierten Basketball. Ich möchte, dass wir mit Selbstvertrauen spielen, gute Entscheidungen treffen und in allem, was wir tun, eine klare Struktur und Zielsetzung haben. Team-Basketball ist für mich ein zentraler Bestandteil. Spieler sollen Freiheiten haben, aber immer innerhalb eines klaren Systems. Wir müssen mit Ideen spielen, verstehen, wo wir angreifen wollen, und genau wissen, wie wir jede Possession gestalten wollen. Ich möchte, dass wir offensiv wie defensiv aggressiv auftreten. Wir müssen in jedem Bereich des Feldes Härte, Physis und Präsenz zeigen – unabhängig vom Spielstand. Außerdem sollen wir aggressiv beim Rebound sein, stark in der Transition agieren und aus unserer Defensive und Energie Fast-Break-Möglichkeiten kreieren. Das ist der Stil, den ich etablieren möchte: schneller, disziplinierter, aggressiver und teamorientierter Basketball.

Du hast mit dem MBC in der ENBL das Finalturnier erreicht. Welche Bedeutung hat für dich perspektivisch eine Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb?

Das Erreichen eines Final Four und der dritte Platz waren wichtige Erfolge. Für jedes Team, jeden Trainer und jeden Spieler haben europäische Wettbewerbe einen großen Wert. Sie bieten die Möglichkeit, den Verein gegen Teams aus anderen Ligen zu vertreten und sich auf einem anderen Niveau zu messen. Über die Saison hinweg sollte eines unserer Ziele immer sein, uns für internationale Wettbewerbe zu qualifizieren. Diese Spiele helfen Spielern, Trainern und dem gesamten Verein, wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse zu sammeln – besonders im Duell mit starken internationalen Teams. Ich glaube, dass jeder europäische Wettbewerb wichtig ist, weil er einer Organisation hilft, sich sowohl sportlich als auch mental weiterzuentwickeln.

Zu guter Letzt: Welche Rolle spielst du im Trainerteam der serbischen Nationalmannschaft?

Teil der serbischen Nationalmannschaft zu sein, macht mich sehr stolz. Seit Beginn meiner Trainerkarriere war das eines meiner großen Ziele. Ich glaube, für jeden Menschen im Sport ist es eine besondere Ehre, in irgendeiner Form seine Nationalmannschaft zu vertreten. Als einer der Assistenztrainer bin ich stolz darauf, in einem so starken Trainerteam zu arbeiten. Wir haben eine sehr gute Chemie innerhalb des Staffs, und ich glaube, genau das ist eine unserer großen Stärken. Was ich besonders schätze, ist der gegenseitige Respekt zwischen uns allen. Jeder hat seine Rolle, aber wir arbeiten sehr offen und partnerschaftlich zusammen. Es geht nicht um Hierarchien oder darum, wer der Erste oder Zweite ist. Es geht darum, Verantwortung zu teilen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam auf dieselben Ziele hinzuarbeiten. Diese Gleichberechtigung, das Vertrauen und die starke Chemie innerhalb des Trainerteams haben uns geholfen, gute Ergebnisse zu erzielen – und ich bin sehr glücklich, Teil dieses Umfelds zu sein.

Die Fragen stellte Torben Rosenbohm