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Bogicevic im Interview: Wir haben nicht vergessen, wie man Basketball spielt

08.11.2026

 Bild: Ulf Duda

Die EWE Baskets Oldenburg befinden sich in keiner leichten Phase. Nach vier Pflichtspielsiegen zum Start brachten Verletzungen die Mannschaft aus dem Tritt, es folgten fünf Niederlagen in Folge. Coach Milenko Bogićević spricht im Interview über die Gründe, die Situation in Ulm und was Hoffnung auf eine Trendumkehr bietet.

Wenn du mit etwas Abstand auf die Ereignisse in Ulm zurückblickst: Wie hast du die Situation aus deiner Perspektive erlebt?

Zuerst möchte ich mich noch einmal bei allen entschuldigen, auch bei unseren Fans, bei allen, die sich uns verbunden fühlen, natürlich aber auch bei der BBL und in Ulm.

Ich glaube, dass ich vor diesem Vorfall nie ein technisches Foul wegen meines Verhaltens gegenüber Gegnern oder Schiedsrichtern bekommen habe. Ich glaube, der unglückliche Zusammenprall mit Alen Pjanic in Würzburg war zuvor das erste technische Foul als Headcoach.

Ich verstehe den Club als Familie, und dazu zählen auch das Team und meine Assistant Coaches. Meine Familie will ich beschützen, wenn ich das Gefühl habe, dass es notwendig ist. Mein Gefühl war, dass sie angegangen und provoziert wurden.

Man sieht an meiner Körpersprache, dass ich die Situation auf dem Weg zur Mittellinie zunächst trotzdem entspannen wollte. Dann habe ich mich emotional mitreißen lassen, und das darf nicht passieren. Ich verstehe die Emotionen, die da auch auf Ulmer Seite im Spiel waren, und hätte mich einfach umdrehen und wieder auf meinen Platz gehen sollen. Das nicht zu tun, war mein Fehler. Mir ist aber auch wichtig zu betonen, dass es keine Beleidigungen gab.

Tylan Pope ist nun für zwei Spiele gesperrt. Lass uns auch kurz über seine Situationen sprechen.

Sprechen wir zuerst über die erste Situation. Ich glaube nicht, dass Tylan dieses Foul mit Absicht so hart begehen wollte. Wir haben einen defensiven Fehler gemacht, und er wollte die Situation retten. Mit seinem Tempo und seiner Masse war das Foul zu hart, aber Absicht oder Frustration waren nicht der Grund.

Die zweite Situation: Das darf einfach nicht passieren. Dafür ist Kritik berechtigt, und dafür wurde er auch von uns sanktioniert. Solche Situationen möchten wir nicht sehen. Tylan ist ein junger Spieler, er hat sich direkt entschuldigt, er gibt alles für uns und er wird daraus lernen.

Wenn man auf die Statistiken schaut, ist die Offensive, die zuletzt eher zwischen 60 und 70 Punkten erzielte, unser Problem. Wo liegen aus deiner Sicht die Gründe?

Wir sind mit dem offensiven Output nicht zufrieden. Die Verletzungen haben natürlich einen Anteil daran. Es fehlten Spieler wie Le’Tre und Nate, die bei ihren letzten Teams deutlich zweistellig gescort haben. Nicho fehlt auch und war zu Saisonbeginn unser bester Scorer, sogar unser bester Dreipunktschütze, und ist einer unserer besten Spieler. Da fehlte uns beim Scoring, bei der Kreation und auch bei der Qualität von der Dreierlinie viel. Es sind einfach 30 bis 40 Punkte, die dem Team genommen werden. Und ich glaube, jedes Team sieht schlecht aus, wenn die drei oder vier besten Spieler fehlen.

Dadurch sind auch Spieler in andere Rollen gezwungen worden, und das ist ein Prozess, den ein Team verkraften muss. Dazu kommt, dass beispielsweise Zach und Jeremy über 30 Minuten gehen mussten.

Da leidet irgendwann die Entscheidungsqualität, und das hat Auswirkungen, wie man an unseren Ballverlusten sieht. Wir müssen aber dennoch Wege finden, in der Offensive besser zu spielen. Dazu zählt, die Ballverluste zu analysieren und daran zu arbeiten, aber auch unsere Quoten von der Freiwurflinie und der Dreierlinie. Wenn wir gegen gute Mannschaften gewinnen wollen, müssen wir uns da entwickeln.

Darüber hinaus haben wir Schwierigkeiten, unsere Leistung über 40 Minuten konstant abzurufen. Liegt das ausschließlich an den fehlenden Spielern?

Man kann es zumindest nicht komplett davon abkoppeln. Gegen Bonn und Bamberg haben wir gesehen, dass wir trotzdem sehr nah dran sein können, und wir müssen die ein, zwei zusätzlichen Prozent finden, um auch die letzten fünf Minuten zu überstehen. Natürlich ist es auch so, dass uns Spieler fehlten, die für die Crunchtime als entscheidende Spieler eingeplant sind.

Noch wichtiger als der Blick zurück ist allerdings der Blick nach vorne: Was kann dafür sorgen, dass wir wieder besser spielen?

Das Training sieht jetzt wieder besser aus und das ist am Ende die Basis. Daran haben natürlich die Spieler einen Anteil, die jetzt wieder ins Training gekommen sind. Unsere Spieler von den Baskets Juniors haben einen guten Job gemacht und uns sehr geholfen, aber es ist dann nicht ganz die Intensität, wie wir sie jetzt wieder haben.

Unser Plan ist zum Beispiel auch nicht, dass wir so langsam spielen, wie wir es in den letzten Wochen getan haben. Aber die Rotation und die Kraft gaben nicht mehr her, und auch im Training muss man mit weniger Spielern aufpassen, die Körper nicht zu überfordern. Ich glaube, dass wir für unsere Offensive über den Fastbreak deutlich mehr kreieren können.

Wir haben zu Beginn der Saison beispielsweise mit dem MBC und Würzburg sehr gute Mannschaften besiegt, und ich glaube nicht, dass wir vergessen haben, wie man diesen Basketball spielt. Wie gesagt: Das Training sieht wieder besser aus, und daraus werden die Resultate folgen. Davon bin ich überzeugt!

Nach fünf Niederlagen in Folge leidet zwangsläufig das Selbstvertrauen. Gleichzeitig muss man analysieren und kritisieren, um besser zu werden. Wie findest du die Balance?

Ja, diese Balance ist nicht leicht. Ich versuche, positive Stimmung zu entfachen und den Spielern Mut zu machen. Gleichzeitig ist man da als Coach beschränkt, denn Resultate haben einen Einfluss, und Spieler verlieren Selbstvertrauen. Niederlagen sind auch nie leicht für die Chemie. Das ist sicher für einen Coach die schwerste Phase.

Die Spieler fühlen natürlich auch, dass man seine Möglichkeiten im Training nicht ausschöpfen kann. Erst heute kamen nach dem Training mit Seth und Nicholas zwei Spieler zu mir, die meinten, dass das Training jetzt endlich wieder intensiver, fordernder und kompetitiver aussieht. Das ist das Training, das wir zu Beginn der Saison hatten, und jetzt ist es wieder da. Man muss den Zusammenhalt bewahren und gemeinsam daran glauben.

Ich finde aber gerade, dieser Zusammenhalt, diese Unterstützung füreinander ist in dieser Mannschaft weiterhin spürbar!

Ja, man spürt bei unseren Spielern im Training, dass sie alles geben, mit einer positiven Einstellung kommen und positiv miteinander umgehen. Ich glaube, wenn wir diesen Zusammenhalt bewahren, auch mit den Fans zusammen, dann wird sich die Saison für uns wieder positiver entwickeln.

Eine Serie von Niederlagen ist auch mental eine große Herausforderung für einen Trainer. Wie viel Schlaf findest du noch?

Das stimmt, man schläft nicht viel, aber das war mir klar, als ich mich dafür entschieden habe, Trainer zu werden. Meine Energie ist immer hoch, und mein Charakter lässt Entspannung schwer zu, wenn es sportlich nicht läuft.

Mit Le’Tre Darthard und Nate Johnson sind zwei wichtige Spieler zurückgekehrt. Wie sehr hilft uns das aktuell, sowohl sportlich als auch mit Blick auf die Abläufe innerhalb der Mannschaft?

Wir könnten über die basketballerischen Qualitäten von Nate sprechen, aber das ist nicht das Entscheidende. Von Anfang an war sichtbar, dass er eine der wichtigsten Persönlichkeiten in unserem Team ist. Er hat die Mentalität eines Anführers und eines Siegers. Die Mitspieler haben das sofort gespürt und sich an ihm orientiert.

Le’Tre ist unser bester Distanzschütze im Team. Damit bekommen wir auch eine Dimension in unserem Spiel zurück, die uns vorher ein Stück weit gefehlt hat.

Der Blick richtet sich nun auf Ludwigsburg. Was erwartest du von deiner Mannschaft und wie schätzt du die bevorstehende Partie insgesamt ein?

Ludwigsburg ist ein sehr gutes Team und hat einen sehr guten Trainer. Von seinen Teams habe ich viele Spieler in der ACB gesehen, und ich weiß, wie er arbeitet. Seine Mannschaften haben eine hohe Intensität und ein hohes Tempo, sie spielen physischen Basketball und sammeln viele Rebounds.

Wir müssen in der Transition bereit sein. Dazu hatten sie in einigen Spielen auch eine gute Dreierquote. Wir müssen defensiv auf sehr hohem Niveau agieren und körperlich spielen. Ich glaube, jetzt, mit einer größeren Rotation, kann uns das gelingen.