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Hinrichs im Interview: Wir müssen unseren Stempel aufdrücken

14.10.2026

 Bild: Ulf Duda

Im Achtelfinale des Netto BBL Pokals wartet mit den Telekom Baskets Bonn (hier Tickets sichern) eine anspruchsvolle Aufgabe auf die EWE Baskets Oldenburg. Vor heimischer Kulisse wollen die Oldenburger den Einzug ins Viertelfinale des Netto BBL Pokals perfekt machen. Im Interview spricht Kapitän Seth Hinrichs über die jüngsten Niederlagen, die personelle Situation und den Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft – und erklärt, welche Rolle die Unterstützung der Fans spielen wird.

Gegen Phoenix Hagen habt ihr eure erste Heimniederlage der Saison hinnehmen müssen. Dabei gab es zwei gegenläufige Entwicklungen: Wenn wir unsere DNA zeigen, wir Kampf und Intensität auf das Feld bringen, sind wir stark. Gleichzeitig brauchen wir zuletzt gerade zu Beginn zu lange, um unseren Motor zu starten. Was können wir dagegen tun?

Wenn wir unsere DNA zeigen und so spielen, wie wir spielen wollen, sind wir ein richtig gutes Team. In den vergangenen drei Spielen gegen Hamburg, München und Hagen sind wir allerdings zu langsam ins Spiel gekommen. Das lag sowohl an der Offensive als auch an der Defensive. Ballverluste haben unseren Gegnern einfache Punkte ermöglicht und ihnen Selbstvertrauen gegeben. Jedes Spiel war anders, aber die Ergebnisse der ersten Halbzeiten waren mehr oder weniger dieselben.

Wir müssen uns selbst hinterfragen und überlegen, was wir anders machen können. Wir müssen unserem Spiel von Beginn an unseren Stempel aufdrücken und dürfen nicht darauf warten, dass das Spiel zu uns kommt. Wir müssen weiterarbeiten, im Training unsere Basics weiter verinnerlichen und ein größeres Gefühl für die Dringlichkeit entwickeln. Wir dürfen nicht warten, bis wir mit 15 oder 20 Punkten zurückliegen, um zu reagieren. Wir müssen von Beginn an aggressiv spielen, so wie wir es in unseren ersten Saisonspielen getan haben.

Wenn man die ersten Spiele gewinnt, bereiten sich die Gegner anders auf einen vor. Sie nehmen einen anders wahr. Wenn man vom Außenseiter an die Tabellenspitze rückt, hat man plötzlich eine Zielscheibe auf dem Rücken. Wir müssen lernen, damit umzugehen, und gleichzeitig unsere Mentalität als Außenseiter bewahren. Auch wenn wir nicht mehr an der Tabellenspitze stehen, geht es darum, jeden Tag im Training unseren Hunger, unseren Ehrgeiz und unseren Antrieb zu zeigen und weiterhin so zu spielen, wie unser Coach es von uns verlangt.

Der Trainer hat gesagt, dass er keine Ausreden machen will. Trotzdem wirkt sich die Verletzungssituation natürlich aus. Vielleicht kannst du einen Einblick geben, wie das Training dadurch verändert wird und wie sich das auf die Vorbereitung auf die Spiele auswirkt.

Ich sehe das wie der Coach. Wir wollen keine Ausreden suchen, aber die Realität ist, dass wir derzeit nur zwei Spieler haben, die unsere Ballhandler sind. Wir haben Spieler, die auf der Zwei oder der Drei spielen können, aber für einige von ihnen ist die Position zwei nicht unbedingt die natürliche Position. Durch die Verletzungen liegt deshalb eine größere Belastung auf einigen unserer Guards.

Verletzungen gehören zum Sport, Mannschaften müssen lernen, sich darauf einzustellen und anzupassen. Es wäre etwas leichter, wenn wir dieses Gespräch im März führen würden, nachdem wir sechs Monate zusammengearbeitet und eine gute Routine, ein System und einen Spielfluss entwickelt hätten. Aber wir haben immer noch Oktober und stehen erst am Anfang der Saison. Mit einer kleineren Rotation so zu spielen, wie wir es uns vorstellen, ist definitiv schwierig.

Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Einige unserer jungen Spieler haben mit uns trainiert und uns dabei wirklich geholfen. In den Spielen müssen wir allerdings mit einer kleineren Rotation auskommen. Wir müssen einen Weg finden, diese Herausforderungen zu überwinden, ohne die Verletzungssituation zur Ausrede werden zu lassen.

Als Kapitän hast du einen besonderen Einfluss auf die Mannschaft. Wie kannst du beim Thema Verletzungen, aber vielleicht auch bei jungen Spielern, die sich jetzt erstmals in der BBL beweisen, Einfluss nehmen?

Ich denke, das Training ist eine Möglichkeit, dazu beizutragen. Wir versuchen, ein wettbewerbsorientiertes und körperbetontes Umfeld zu schaffen, in dem wir teilweise härter trainieren, als wir später im Spiel agieren müssen. Wir wollen diese Bedingungen simulieren, damit wir uns gegenseitig besser machen. Das ist allerdings schwierig, wenn nur sechs oder sieben Profis am Training teilnehmen.

Die Coaches bereiten uns hervorragend auf unsere Gegner vor. Ich versuche, zusätzliche Aspekte einzubringen, die mir auffallen, und zu überlegen, wie ich den Spielern auf den verschiedenen Positionen helfen kann. Das betrifft sowohl die Guards als auch die großen Spieler und die Frage, wie wir auf bestimmte Spielsituationen reagieren können.

Ich finde, dass diese Woche gut war, um die Messlatte im Training wieder etwas höher zu legen. Wir haben zuletzt Spiele verloren und sind in den vergangenen drei Partien nur schwer ins Spiel gekommen. Deshalb müssen wir unseren Anspruch erhöhen, auch wenn uns derzeit nur zwei Spieler für den Ballvortrag zur Verfügung stehen.

Ich habe außerdem einige Spielzeiten mehr hinter mir als manche meiner Mitspieler. Eine wichtige Erkenntnis, die auch die Coaches angesprochen haben, ist, dass in der BBL jede Mannschaft an jedem Abend jeden Gegner schlagen kann. Es gibt keine schlechten Mannschaften, gegen die man einfach in die Halle gehen und mit 20 Punkten gewinnen kann.

Als ich vor zehn Jahren nach Deutschland gekommen bin, war das vielleicht noch nicht so ausgeprägt. Heute ist die Liga aus meiner Sicht deutlich ausgeglichener. Deshalb spielt es keine Rolle, ob eine Mannschaft wie Hagen zuvor noch kein Spiel gewonnen hat. Sie ist eine gute Mannschaft, spielt guten Basketball und wir müssen vom Sprungball an bereit sein.

Von außen wirkt es, als wärt ihr schon erstaunlich eng als Mannschaft zusammengewachsen. Woran liegt das, und wie wichtig ist dieser Zusammenhalt für eure weitere Entwicklung als Team?

Ja, da stimme ich zu. Ich denke, einer der wichtigsten Faktoren ist die Kultur, die unsere Coaches Milenko, Franjo und Max etablieren. Das war die Grundlage. Dazu kommen die Spieler, die sie verpflichtet haben. Alle sind hart arbeitende Spieler, haben einen guten Charakter und sind angenehme Menschen. Dadurch fällt es leicht, mit jedem gut auszukommen.

Auf dem Feld arbeiten wir alle auf dasselbe Ziel und dieselbe Mission hin. Ich glaube, jeder möchte, dass seine Mitspieler auch individuell erfolgreich sind. Gleichzeitig ist unser Hauptziel, Spiele zu gewinnen. Vielleicht ist es an einem Abend Nichos Spiel, an einem anderen das von Jeremy, Nate und Demajeo – oder eines anderen Spielers.

Das hat man in unseren ersten gewonnenen Spielen gesehen. Wir haben uns alle aufrichtig füreinander gefreut. Es war nicht entscheidend, wer statistisch ein besonders gutes Spiel gemacht hatte, sondern dass wir einen Weg gefunden hatten, zu gewinnen.

Auch nach diesen Niederlagen würde ich nicht sagen, dass die Stimmung schlecht ist. Wir waren natürlich enttäuscht, aber wir arbeiten im Training hart. Die Niederlage gegen Hagen hat uns gezeigt, dass wir unsere Intensität, unseren Einsatz und unsere Körperlichkeit wieder steigern und zu unserem vorherigen Niveau zurückfinden müssen.

Mit Bonn wartet ein ganz besonderes Spiel: eine Partie mit großer Rivalität, im K.-o.-Modus und gegen einen sehr starken Gegner. Was wird entscheidend sein?

Wir wissen, dass Bonn eine gute Mannschaft ist. Sie haben viele Spieler aus der vergangenen Saison gehalten und verfügen deshalb über eine gute Abstimmung in ihrem Spiel. Sie sind schwer zu verteidigen, und auch ihre Defensive ist sehr gut. Wir wissen also, dass sie auf beiden Seiten des Feldes ein schwieriger Gegner sein werden.

Entscheidend wird aber vor allem sein, dass wir unserem Spiel unseren Stempel aufdrücken, unseren Basketball spielen und das Tempo kontrollieren. Wir wissen, worum es geht. Wir spielen zu Hause, und das hilft uns natürlich. Deshalb hoffen wir, dass wir so hart spielen können, wie es nur möglich ist. Die Fans stehen hinter uns, und wir müssen uns diesen Sieg erarbeiten.

Es ist ein schwieriger Gegner und eine Rivalität. Aber letztlich ist es ein Pokalspiel und es steht etwas mehr auf dem Spiel. Wir haben die vergangenen Spiele verloren und müssen darauf reagieren. Ich bin zuversichtlich und freue mich darauf, wieder zu Hause zu spielen und die Fans hinter uns zu haben.

Gegen Bonn werden wieder mehr als 5.500 Fans hinter uns stehen. Wie wichtig wird die Unterstützung für euch sein?

Wie gesagt, das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten Faktoren: Wir spielen zu Hause. Wir sprechen darüber, was der Pokal bedeutet. Für Amerikaner, die nach Europa kommen, ist es nicht immer selbstverständlich, die Bedeutung eines solchen Wettbewerbs zu verstehen. Vielleicht hilft es inzwischen, dass es auch in der NBA ein In-Season-Turnier und einen Pokalwettbewerb gibt.

Die Fans sind entscheidend. Ich denke, sie werden die größte Rolle spielen und sie wissen, was ein Pokalspiel bedeutet und wie wichtig die Atmosphäre da ist. Wenn ich an meine Perspektive als Gegner denke und daran, in einer fremden Halle zu spielen, kann es sich gerade bei einem guten Start des Heimteams so anfühlen, als müsste man einen viel größeren Rückstand aufholen. Vielleicht liegt man zehn Punkte zurück, aber es fühlt sich an wie 20. Oder man liegt nur ein paar Körbe hinten, aber der Rückstand wirkt riesig.

Deshalb ist es enorm wichtig, zu Hause zu spielen, unsere Fans hinter uns zu haben und eine laute, stimmungsvolle Halle zu erleben. Ich freue mich darauf!