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Bogicevic: Wir müssen um jeden Zentimeter und jeden Ball kämpfen

12.08.2026

 Bilder: Ulf Duda

Ankunft, die Finalisierung der Trainings- und Vorbereitungsplanung, Behördengänge und Media Days – es waren intensive erste Tage in Oldenburg für den neuen Headcoach Milenko Bogicevic. Im Interview spricht Bogicevic über die ersten Tage, die Zusammenstellung der Mannschaft und den neuen Oldenburger Kapitän.

Milenko, es waren sicher anstrengende erste Tage, wie ist dein erster Eindruck von Club und Stadt?

Ich habe mich sehr darauf gefreut nach Oldenburg zu kommen. Es wurde Zeit, dass es losgeht, auch wenn ich noch nicht viel Zeit hatte, mir die Stadt alleine anzusehen. Ich bin sehr beeindruckt von der Organisation und den Bedingungen hier und ich spüre bei den Mitarbeitern eine große Leidenschaft für den Club.

Hinter dir liegen die ersten Trainingseinheiten, wie waren deine Eindrücke von der Mannschaft?

Nach der ersten Trainingseinheit war ich davon beeindruckt, in welch guter körperlicher Verfassung die Spieler in die Vorbereitung starten. Das zeigt mir, dass die Spieler mit der Ambition kommen, hier in Oldenburg gemeinsam etwas zu erreichen. Natürlich stehen wir erst am Anfang, aber ich habe eine gute Energie gespürt. Die erste Aufgabe ist es, eine Chemie innerhalb des Teams zu bilden, zu sehen, wie die Spieler ihre Rollen finden. Ich bin mit den ersten Eindrücken des Teams sehr zufrieden.

Was sind deine Erwartungen an die Vorbereitung? Betrachtest du die Vorbereitung in verschiedenen Abschnitten?

Das ist jetzt die wichtigste Phase der Saison. Wir müssen unsere Basics, unseren Kern erarbeiten und unsere Basketballphilosophie vermitteln. Das ist ein Prozess, der Woche für Woche läuft. Im ersten Teil müssen wir Rollen finden, die Stärken und den Stil der Mitspieler kennenlernen. Das ist sehr wichtig. Als Trainerteam müssen wir unsere Basics in Offensive und Defensive vermitteln. Jetzt geht es um den Kern und das ist sehr wichtig. Wir als Trainerteam müssen die Spieler jetzt fordern, klar in den Details sein. Das funktioniert in der Offensive und Defensive. Wir haben genug Zeit und ein ganz wichtiger Aspekt ist es natürlich, dass wir möglichst gesund bleiben, um gemeinsam gut arbeiten und unseren Plan umsetzen zu können.

Die Teamchemie wird gerade zu Beginn einer Vorbereitung immer wieder als wichtiger Aspekt genannt. Was kann ein Coach  machen, um diese zu fördern und wer ist noch in der Verantwortung?

Das ist eine sehr wichtige und gute Frage. In meiner ersten Rede an das Team, in der ich alles rund um das Team vorgestellt habe, war auch die Teamchemie ein wichtiges Thema. Ich habe gesagt, dass wir als Trainerteam helfen werden und auch Erfolg hilft der Atmosphäre innerhalb einer Mannschaft. Trotzdem haben die Spieler mit der Art, wie sie miteinander umgehen, sich respektieren und füreinander arbeiten, einen großen Einfluss. Wir werden immer versuchen, dem Team zu helfen und eine gute Stimmung zu kreieren, die Spieler haben jedoch eine Verantwortung. Sie müssen einander respektieren, auf dem Feld füreinander kämpfen und einstehen, die Energie miteinander teilen. Das ist einer der wichtigsten Punkte für eine Saison. Basketball ist Basketball, aber wenn wir diesen Zusammenhalt nicht entwickeln, erleben wir keine erfolgreiche Saison.

Es ist eine Frage, die dir in den nächsten Tagen häufiger begegnen wird. Wie würdest du dich selbst als Coach beschreiben, was ist dein Stil und was ist dir wichtig?

Ich bin ein Trainer, der Teambasketball sehen will. Das ist der erste Punkt, den ich immer unterstreiche. Jeder Spieler soll sich in meinem System zeigen können, jeder Spieler muss in unserem System eingebunden sein. Ich möchte nicht von einem oder zwei Spielern abhängig sein, sodass wir nicht in Probleme geraten, wenn ein Spieler krank oder verletzt ist. Die Mannschaft muss verstehen, dass in jedem Spiel ein anderer Akteur je nach Gegner und Tagesform übernehmen kann.

Sicher bin ich ein Coach, der intensiven und körperlichen Basketball auf beiden Seiten des Parketts sehen will. Wir möchten hart verteidigen und daraus mit Tempo spielen, aber gleichzeitig nicht wild agieren, sondern smarte Entscheidungen treffen, die Mitspieler respektieren und den Ball teilen.

Du hast selbst über dich gesagt, dass du ein ehrlicher Trainer bist.

Wenn man über mich sagt, dass ich ein tougher Coach bin, würde ich sagen, dass ich zuerst ein ehrlicher Coach bin. Egal ob Kritik, Lob oder Unterstützung, ich gehe ehrlich mit meinen Spielern um. Ich bin für die Spieler kein komplizierter Coach, unterstütze sie auf ihrem Weg. Dabei habe ich keine Angst, auch kritisch zu sein, weil es darum geht, dass der Spieler und wir uns weiterentwickeln. Am Ende dient alles der Entwicklung der Mannschaft und mir ist sehr wichtig, dass wir alle ehrlich miteinander umgehen.

Bei der Zusammenstellung des Teams, was war für dich der entscheidende Aspekt?

Der erste Fokus liegt auf Charakter und Siegermentalität. Wenn man das nicht hat, kann man kein erfolgreiches Team werden. Uns war es wichtig, Spieler zu finden, die diese Mentalität haben und keine Angst davor haben, tough und intensiv zu spielen.

Ich glaube im heutigen Basketball versucht fast jeder Coach gute Pick&Roll-Spieler und Ballhandler zu finden. Das ist uns gelungen. Dazu glaube ich, dass wir Spieler gefunden haben, um ein gutes Shooting-Team zu sein. Ich bin sehr zufrieden mit der Zusammenstellung und Mischung mit Spielern, die Physis mitbringen, die am Korb spielen können und auch guten Schützen aus den Blöcken. Ich glaube, dass wir die Werkzeuge haben, um einen Plan B umzusetzen, wenn Plan A in einem Spiel nicht funktioniert.

Mir fiel beim ersten Blick auf die Mannschaft auf, dass wir vier bis fünf Ballhandler im Kader haben. Wie wichtig war dir diese größere Breite an Spielern mit diesen Fähigkeiten?

Das ist für mich moderner Basketball. Wir haben viele Spieler, die mit Ball kreieren können, wir haben auch einige Spieler, die Isolation spielen können. Das ist der moderne Basketball, den wir in der BBL sehen, weil die Verteidigungen so agieren, dass man am Ende diese Ball Creator, aber auch Isolation-Player benötigt. Ich glaube aber auch, dass wir gute Inside-Spieler haben. Da kann man zum Beispiel Nicho auf seiner Position nennen, aber auch Marcel und Demajeo. Und es ist wichtig, dass unsere kreierenden Spieler nicht nur für sich, sondern auch für die Mitspieler kreieren können.

Wenn man auf unsere Kader schaut, sieht man auf der 4 und 5 sehr unterschiedliche Spieler und grundsätzlich einige flexible Spieler. Warum war dir das wichtig?

Wenn man diese unterschiedlichen Profile hat, bieten sich Optionen, etwas zu verändern, zum Beispiel das Tempo oder den Stil des Spiels. Das gibt einer Mannschaft eine Extraqualität, wenn man so reagieren kann. Es war von Anfang an unser Ziel, variable Spieler zu finden, die auf unterschiedlichen Positionen spielen können.

Du hast dich für Seth Hinrichs als Teamkapitän entschieden. Warum fiel diese Entscheidung und was macht ihn so wichtig für die Mannschaft?

Ich bin sehr froh darüber, dass Seth Teil unseres Teams ist. Er ist dafür bekannt, dass er ein toller Charakter und Mensch ist. Ich habe darüber gesprochen, welchen Charakter unsere Mannschaft haben soll und Seth steht als Beispiel dafür. So einen Spieler wünscht sich jeder Coach. Seth hat enorme Erfahrung in der BBL und das ist in unserem eher jungen Team sehr wichtig. Seine Führungsqualitäten sind auf einem hohen Level und deshalb war für mich klar, dass er der Kapitän sein muss. Das ist eine große Verantwortung, die Seth übernehmen muss und ich glaube daran, dass er die Rolle mit seiner Persönlichkeit ausfüllen wird, dass er den Mitspielern helfen und ein wichtiges Bindeglied zwischen Mannschaft und Coaching-Staff sein wird.

Wir sind eine Basketballstadt mit einer tiefen Fankultur und einer immer vollen Arena, die den Unterschied machen kann. Wie wichtig ist dir die Verbindung zu den Fans?

Das sind wirklich Momente, auf die ich warte und gewartet habe, unsere Fans zu treffen. Man spürt sofort, wie wichtig die Fans für unseren Club sind. Unsere Zuschauerzahlen, wenn man auf die Dauerkarten und die Auslastung der Spiele schaut, sind unglaublich. Die Fans stehen hinter dem Team, auch wenn es nicht wie erhofft läuft. Ich möchte wirklich, dass unser Team die Energie der Fans matcht und die Energie immer zeigt. Wenn uns gelingt, diese Mentalität und Kampfgeist für den Club zu zeigen, werden wir von Anfang an die Verbindung mit den Fans haben und das ist sehr wichtig. Ich habe großen Respekt vor der Leidenschaft der Fans für die EWE Baskets, deshalb ist es eine große Verantwortung für mich und die Spieler, diese Verbindung von Anfang an aufzubauen.

Wie sollen die EWE Baskets am Ende auf dem Court aussehen? Was ist die DNA?

Ich bin ein Mensch, dem Energie sehr wichtig ist. Ich möchte keinen langweiligen Basketball sehen. Unabhängig davon, ob man ein Spiel am Ende gewinnt oder nicht, muss unsere Körpersprache immer passen, müssen wir um jeden Zentimeter und jeden Ball kämpfen. Wir müssen auf eine positive Art aggressiv sein, den Ball teilen, als Mannschaft spielen. Jeder will schönen Basketball spielen, aber aus den genannten Punkten entsteht schöner Basketball. Ich möchte, dass wir auf dem Spielfeld Kämpfer sind, als Team spielen, die richtige Körpersprache zeigen und auch auf den Knien um den Ball kämpfen.