Hollatz/Niehus: "Wir geben niemals auf!"

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Die Saison unseres NBBL-Teams ist zu einem für alle überraschenden Erfolg geworden. Am Sonntag (15 Uhr) empfängt die Baskets Akademie Weser-Ems die YOUNG RASTA DRAGONS zum zweiten Viertelfinale. Im Vorfeld haben wir uns mit Piet Niehus und Jacob Hollatz zum Interview getroffen.

Piet und Jacob, ihr habt eine überraschend starke Saison mit eurer Mannschaft gespielt, wie ist es aus eurer Sicht dazu gekommen?

Jacob Hollatz: Ich bin nach meiner Verletzung erst später in der Saison eingestiegen. Bis dahin hatte das Team schon einen guten Rhythmus und hatte einige Spiele gewonnen. Gerade in eigener Halle waren wir stark, haben kaum Spiele verloren. Wir hatten auch weniger Verletzungen als in der letzten Saison. Als Team haben wir super gespielt, jeder war immer ins Spiel eingebunden. Das ist wahrscheinlich der wichtigste Aspekt, dass wir als Mannschaft agieren und nie aufgeben. Es gab viele Spiele, in denen wir mit mehr als zehn Punkten in Rückstand lagen. Gegen Hagen lagen wir in allen Spielen klar zurück und haben es dann gedreht.

Auffällig war bei euren Spielen tatsächlich der Zusammenhalt und die Stärke in der Verteidigung, wie ist es denn zu diesem Teamgeist gekommen?

Piet Niehus: Wir hatten glaube ich von Beginn an eine gute Teamchemie, wir verstehen uns auch außerhalb des Spielfelds sehr gut. Dann ist es auch leichter, für den Mitspieler in der Defensive zu kämpfen und macht mehr Spaß. Artur Gacaev legt viel Wert auf unsere Verteidigung und wir sehen natürlich auch, dass wir mit dieser Spielweise Erfolg haben.

Ihr seid in dieser Saison die beiden Führungsspieler in der Mannschaft. Könnt ihr einschätzen, was für euch auf dem Court einen guten Anführer ausmacht?

Piet: Man muss dafür sorgen, dass alle Spieler immer Teil des Teams bleiben, auch wenn es im Spiel mal nicht läuft. Die Mannschaft muss dann ruhig bleiben, weiter den Ball bewegen und nicht aufgeben.

Jacob: Man sollte als Führungsspieler so spielen, wie man es von seinen Mitspieler auch erwartet. Auf keinen Fall darf man weniger Einsatz zeigen. Ich glaube, dass es bei Piet und mir auch so ist, dass wir versuchen die Spieler zu sein, die sich zuerst auf einen freien Ball werfen. Mit dieser Einstellung versuchen wir dann die Mitspieler mitzureißen. Wir versuchen das Team emotional weiterzubringen und in den entscheidenden Momenten Verantwortung zu übernehmen.

Was waren eure Highlights in dieser Saison?

Piet: Die ganze Serie gegen Hagen würde ich da nennen, die insgesamt sehr eng war. Außerdem fällt mir da noch das Spiel gegen die Piraten ein. Wir hatten das Spiel in Hamburg verloren und dort auch schlecht gespielt. Deshalb war es mir persönlich sehr wichtig, dieses Spiel in Oldenburg zu gewinnen.

Jacob: Natürlich die Serie gegen Hagen, aber für mich auch das Hinspiel in Hamburg, wo ich nach meiner langen Verletzung zum ersten Mal wieder gespielt habe. Außerdem sind die Spiele in Hamburg für mich immer besonders, weil ich da vor meiner Familie und meinen Freunden spielen kann.

Wo seht ihr gegenseitig eure größten Stärken?

Piet: Die größte Stärke von Jacob ist sicher die Defense, außerdem zieht er die Mitspieler in der Verteidigung immer mit. Jacob kreiert für andere Spieler, bringt das Team ins Laufen. In der Defense ist er eindeutig der wichtigste Spieler und springt wirklich jedem Ball hinterher. Daraus ziehe ich dann auch Motivation und habe viel mehr Lust Verteidigung zu spielen.

Jacob: Wenn ich den Ball in den Angriff bringe und dann Piet gebe, kann ich mich darauf verlassen, dass er damit etwas Gutes macht. Seine größten Stärken liegen sicher in der Offense. Piet kann sich immer seinen eigenen Wurf kreieren und deshalb am Ende der Shotclock auch Verantwortung übernehmen. Deshalb ist er auch unser Topscorer.

Gerade am Ende der Saison habt ihr auch schon viele Minuten in der ProB gespielt, hat euch das überrascht?

Piet: Zu Saisonbeginn war das nicht zu erwarten. Wir haben auch erst einmal nur wenige Minuten gespielt, haben uns dann aber auch entwickelt und uns die längere Spielzeit verdient. Durch die Verletzungen von Armin Musovic und Haris Hujic haben wir dann mehr Verantwortung bekommen und die auch ganz ordentlich genutzt.

Piet, du hast dich in dieser Saison gut entwickelt. Wo siehst du die Gründe dafür?

Piet: Es ist natürlich immer schwer sich selbst zu beurteilen. Ich habe aber glaube ich hart trainiert und hatte das Glück in einem funktionierenden Team zu spielen. Dann muss man natürlich auch die Trainer nennen. Torben Steinberg ist für das individuelle Training von mir und Jacob zuständig. Er investiert viel Arbeit in uns. Wir bekommen auf uns zugeschnittene Pläne, die uns die richtige Mischung aus Training und Erholung geben und dafür sorgen, dass wir an den richtigen Elementen arbeiten. Mit Artur arbeiten wir hauptsächlich in der ProB. Da ist es natürlich wichtig, dass wir viel Vertrauen von ihm bekommen.

Jacob, wie war es für dich, nach der Verletzung wieder auf dem Parkett zu stehen. Wann hast du dich wieder zu 100 Prozent wohl gefühlt?

Jacob: Das hat schon ein bisschen gedauert. Beim Heimspiel gegen die Piraten hatte ich das Gefühl, dass ich wieder normal spielen kann, die Leistung zeigen konnte, die ich ohne Verletzung von mir selbst erwarte.

Ihr habt auf unterschiedlichen Wegen in die Baskets Akademie gefunden. Piet ist ein Ur-Oldenburger, während Jacob aus Hamburg gekommen ist. Ist es deshalb für dich Piet eine besondere Ehre in unserem Trikot zu spielen?

Piet: Ganz sicher ist das so. Ich bin in Oldenburg aufgewachsen, spiele seit ich sechs Jahre alt bin beim Oldenburger TB Basketball. Es ist ein schönes Gefühl in meiner Heimatstadt zu spielen und natürlich habe ich früher davon geträumt, mal im Trikot der EWE Baskets zu spielen. Es ist natürlich schön, wenn man merkt, dass man diesem Traum schon viel näher ist.

Jacob, du bist jetzt im dritten Jahr in Oldenburg, wie fällt da dein Zwischenfazit aus?

Jacob: Ich glaube meine Hoffnungen, die ich mit dem Wechsel nach Oldenburg verbunden habe, haben sich bisher erfüllt. Als Spieler habe ich mich auf jeden Fall deutlich weiterentwickelt. Ich habe den Sprung von der JBBL in die NBBL gut geschafft, bin jetzt auch in der ProB auf einem guten Weg. Damit habe ich einige Zwischenziele schon erreicht. Wenn ich mich dort etabliert habe, wäre der letzte Schritt irgendwann ins Profi-Team zu kommen. Mit diesem Schritt hätte ich auch alle Ziele erreicht, die ich damals mit dem Wechsel nach Oldenburg verbunden habe.

Ihr steckt mitten in der Serie gegen die YOUNG RASTA DRAGONS. Was rechnet ihr euch aus?

Piet: Die Serie ist auf jeden Fall tough. Wir müssen definitiv besser treffen, als im Achtelfinale gegen Hagen, dann haben wir eine Chance. Für das Final Four müssen wir ja auch ein Auswärtsspiel gewinnen. Das ist natürlich eine schwere Aufgabe.

Jacob: Unser Vorteil ist, dass wir weniger Druck als die Dragons haben. Dort lautete das Ziel vor der Saison sicher Final Four oder sogar noch mehr. Für uns ist das Erreichen des Viertelfinales schon ein großer Erfolg. Alles was jetzt kommt ist dann ein Bonus. Wir geben alles und wollen die Serie gewinnen, aber wir haben keinen Druck.

Bild: Ulf Duda/ Uwe Schucht